Arbeitgeber Oberfrankens: Wo seid ihr?!

Arbeitgeber Oberfrankens:
Wo seid ihr?!

Oberfranken ist eine der Regionen, die vom demographischen Wandel heute schon hart getroffen ist. Ein Umstand, der sich in der Zukunft sicher nicht so schnell verbessern wird. Eher verschlechtern. Schaut man in den Norden der Region, also Richtung Hof, Kulmbach oder Kronach, so sieht man Jahr für Jahr wie die Bevölkerungszahlen sinken. Man könnte etwas überspitzt formulieren: Diese Regionen sterben. Für die regionale Wirtschaft ist das kundenseitig nicht branchenübergreifend ein Problem. Ein Problem für alle ist aber selbstverständlich der dünner werdende Nachwuchs an Fach- und Führungskräften. Um Arbeitnehmer für die Region zu gewinnen, braucht es nicht nur den Arbeitsplatz alleine. Es braucht einen hohen Attraktionsgrad, der neben dem Arbeitsplatz, dessen Rahmenbedingungen und dem Unternehmensimage, auch durch die Vorzüge einer bestimmten Region erhöht wird. In diesem Zusammenhang höre ich dann auch immer wieder von Unternehmensseite, die Kommunen müssten sich einfach stärker bemühen, die Region attraktiv zu gestalten und zu vermarkten. Das könnten die Unternehmerinnen und Unternehmer einfach nicht leisten. Wenn da aber nichts geschehe, dann sähe es düster am Horizont neuer potentieller Arbeitnehmer aus. Aber ganz ehrlich: Wer den Schwarzen Peter einem anderen zusteckt, der macht es sich denkbar zu einfach.

Ausbildung allein genügt nicht

Die IHK Oberfranken hat nun aber einen Masterplan gegen den Fachkräftemangel. Dieser hat zehn Programmpunkte und die konnte man in der letzten Ausgabe der „Oberfränkischen Wirtschaft“ nachlesen. Nun ist ja die IHK bekanntlich auch ein großer Aus- und Fortbildungsträger. Entsprechend lesen sich die zehn Programmpunkte, die dem demographischen Wandel beikommen sollen, etwas einseitig. Wenn man den Versuch unternehmen möchte, diese zehn Punkte kurz zusammen zu fassen, dann würde man es vielleicht so machen: Mehr Ausbildung, bessere Ausbildung, mehr Abiturienten in die Ausbildung, mehr Frauen als Arbeitnehmer, mehr Zuwanderung. Sehr stark verkürzt, freilich, aber jeder kann sich darunter ungefähr vorstellen, worum es geht. Und da stelle ich mir die Frage: Mehr gibt’s nicht? Fachkräftemangel hat doch nun wahrlich nicht nur etwas mit einer vermeindlich optimierbaren Ausbildung zu tun.

Kommunales Marketing ist das Eine …

Natürlich braucht es auch ein gutes kommunales Marketing , um Fach- und Führungskräften, die nicht aus der Region sind, für Standorte in Oberfranken zu begeistern.  Junge Menschen und junge Familien, aber auch ältere Professionals brauchen ein vernünftiges Angebot für ihre Lebensumstände, um sich für einen Arbeitsplatz in Oberfranken zu entscheiden. Das ist sicher Aufgabe der Kommunen. Ein Verweis auf die günstigen Lebenshaltungskosten, wie man es vor zehn Jahren immer schon für die Region propagiert hat, ist aus meiner Sicht obsolet geworden. Mietpreise gehen beständig in die Höhe und vom günstigen Schäuferla auf dem Keller auf dem Land allein, lebt es sich leider nicht genug. Ich bin mir ziemlich sicher, dass eine Studie über einen Lebenshaltungskostenindex für die Region ergeben würde, dass diese Kosten über die vergangene Dekade ordentlich in die Höhe gegangen sind. Leider ist das Lohnniveau der Region nicht entsprechend mitgewachsen. Das schreckt ab. Gebetsmühlenartig werden aber immer dieselben Argumente bei der kommunalen Vermarktung hervor gekramt. Ich glaube, ein Umdenken ist erforderlich. Und mit diesem Umdenken eine neue Analyse und Neubewertung der kommunalen Standortfaktoren.

… Employer Branding das andere

Auf dem heutigen Arbeitsmarkt werden junge und erfahrene Kräfte von vielen Unternehmen umworben. Gerade die Konzerne oder größere Mittelständler punkten unter anderem mit flexiblen, inhaltlich aufgewerteten und gut bezahlten Arbeitsplätzen, die den Ansprüchen der jüngeren Generation genauso gerecht werden, wie denen älterer professioneller Arbeitnehmer. Oftmals höre ich diesbezüglich den Frust und teilweise auch die Resignation kleinerer Unternehmen, die sich diesem Kampf nicht gewachsen fühlen und den „Großen“ die Schuld dafür geben, dass sie die nötigen Fachkräfte nicht finden. Schaut man aber genauer hin, zeigt sich doch ein viel gravierenderes Problem vieler oberfränkischer Betriebe: Eigentlich gibt es sie gar nicht.

Zumindest nicht in den Köpfen der Nachwuchskräfte. Die „Employality„-Studie der Universtität Bamberg und der Wirtschaftsregion Bamberg-Forchheim (WiR), eine repräsentative Umfrage unter Studierenden verschiedener Studienzweige, hat ein Faktum recht gut auf den Tisch gebracht: Die meisten dieser Nachwuchskräfte kennen die Arbeitgeber der Region überhaupt nicht. So kann das nichts werden. Gerade jüngere Menschen sind durch attraktive Marken geprägt. Sie fühlen sich deshalb auch zu genau diesen Marken hingezogen. Viele oberfränkische Betriebe investieren kaum Ressourcen in die eigene Arbeitgebermarke. Für den Nachwuchs sind sie deshalb entweder nicht präsent oder aber schlicht nicht „sexy“ genug. Natürlich kann man sich nun auf den Standpunkt stellen, dass das doch früher auch keine Rolle gespielt haben mag und die jungen Menschen einfach nur verzogen, vielleicht sogar hochnäsig sind, wenn das heute ein Entscheidungskriterium darstellt. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass Image und Bekanntheit als Arbeitgeber heute mindestens genauso wichtig ist, wie die Reputation und Bekanntheit der eigenen Produkte im Markt. Wer seine Arbeitgebermarke nicht aufpoliert, mit guten Inhalten füllt und natürlich entsprechend attraktive Leistungen anbietet, der verliert zwangsläufig.

Mehr Markenbewusstsein

Deshalb denke ich auch, dass der 10-Punkte-Plan der IHK allein nicht genügen wird, um das Fachkräftedilemma zu lösen. Unternehmen und Unternehmer müssen intensiver über die Gestaltung und Nutzwertigkeit von Arbeitgebermarken und einer attraktiven „Arbeitnehmerwelt“ informiert werden und dann aktiv an einer Umsetzung arbeiten. Im Zusammenspiel mit einem guten kommunalen Marketing und einer guten Ausbildungsstruktur ist dem Wettbwerb auf dem Arbeitsmarkt besser beizukommen, als mit einseitigen Instrumenten. Und: Ein Wettbewerb wird es bleiben. Denn am demographischen Wandeln an sich, ändert man auch mit dem besten Marketing nur wenig.

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