Fernteams? Warum Homeoffice auch Schattenseiten haben kann.

Neben vielen anderen Autoren, hat sich Kerstin Bund in ihrem Buch „Glück schlägt Geld. Generation Y. Was wir wirklich wollen“ mit der so genannten Generation der zwischen 1980 und 1995 geborenen Menschen auseinander gesetzt. Eine Essenz dazu ist auf zeit.de erschienen. Am Rande sei hier nur kurz angemerkt, dass ich einige Aspekte, die es dort zu lesen gibt, nicht teile, aber dazu vielleicht ein anderes Mal.

Eine „Forderung“ der Generation Y sei es Bund zufolge, fortzukommen von den starren Bürostrukturen der Arbeitswelt. Sozusagen die vollkommene Flexibilität über Homeoffice-Modelle. Nachdem in verschiedenen größeren Firmen bereits das Shared-Desk-Prinzip unterwegs ist und  andere Unternehmen das Homeoffice-Modell nutzen, um letztlich auch Mietkosten für Büroräume zu sparen, habe ich mich immer mal wieder gefragt, wie positiv eine derart vollkommene Flexibilität tatsächlich ist.

Die Kraft der Gemeinschaft.

Wenn man mich fragen würde, was die besondere Stärke meines Teams ist, dann würde ich vor allem auf die Stärke ihrer Gemeinschaft verweisen. In unserer interdisziplinären Abteilung sind sie für ihr jeweiliges Fachgebiet Top-Fachexperten. Aber ihr Teamgedanke geht weit darüber hinaus. Sie arbeiten nicht nur zusammen, sondern sie haben enge, freundschaftliche Beziehungen zueinander entwickelt. Trotz hoher Arbeitsbelastung meistern sie ihre Aufgaben im Team. Sie unterstützen sich täglich gegenseitig, sie lachen viel und unternehmen gemeinsam Dinge. Auch außerhalb das Systems „Arbeitsplatz“.

Diese Form der Beziehungsentwicklung, die eine sehr positive Auswirkung auf die Schlagkraft meines Teams hat, lässt sich begründen. Zum Beispiel mit einer partizipativen Personalauswahl. Wenn ich neue Mitarbeiter einstelle – und das gilt auch für Werksstudenten – entscheide ich über das Ja oder Nein nicht alleine. Meine Philosophie ist, dass meine Mitarbeiter über Personalien mitentscheiden sollen. Sie sind es schließlich, die sich ein Großraumbüro teilen müssen, sie sind es, die dort täglich für viele Stunden zusammenarbeiten. Und das Recruiting hat hier eine absolut wichtige Aufgabe, die  für meine Zwecke  über das rein fachliche Können und eine generelle menschliche Eignung hinaus gehen muss.

Ich frage mich, ob die soziokulturelle Schaffenskraft und Energie, die ich in meinem Team erlebe, in einer ausschließlich über Homeoffice organisierten Teamumgebung funktionieren kann. Ich stelle mir vor, dass die Menschen dann zwar die vorgestellte Flexibilität erreichen, andererseits aber mehr und mehr zu Einzelkämpfern werden. Ähnlich wie in einer Beratung, in der die Berater meist mindestens vier Tage die Woche bei Kunden unterwegs sind und sich allenfalls einmal im Büro treffen.

Leidet nicht auch die Identifikation mit dem Arbeitgeber, die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit und nicht zuletzt das Verhältnis zur Führungskraft?

Ich glaube, ich würde mich in einer solchen Umgebung nicht wohlfühlen. Mir würde es fehlen, mit Kolleginnen und Kollegen persönlich zu interagieren. Natürlich gibt es auch Bereiche wie eben Beratungen und Außendienstberufe, die ohnehin viel außerhalb einer stationären Arbeitsumgebung stattfinden.

Flexibel ohne Entfremdung

Trotzdem bin ich ein großer Fan von Flexibilität. Mein Rezept dafür, ist eine Kombination von Vertrauensarbeitszeit und gelegentlichem Homeoffice.

Vertrauensarbeitszeit ist immer so eine Sache. Sie kann, je nach Unternehmenskultur, zum massiven Aufbau von Überstunden führen. Leider sind manche Unternehmen noch nicht so weit zu begreifen, dass man durch die – nicht zuletzt  technisch – deutlich gestiegene Effizienz der Arbeit, seine Aufgaben auch in weniger als 12 Stunden schafft. Manchmal sogar in weniger als 8. Leistung also über Anwesenheit zu definieren ist aus meiner Sicht Blödsinn.

Vertrauen muss aber auch beim Homeoffice, eine beidseitige Angelegenheit sein. Für mich bedeutet das, dass es bestimmte gemeinsame Ziele und – in der Regel – auch bestimmte Deadlines gibt, die es mit einer bestimmten Qualität zu erreichen bzw. zu halten gilt. Das bedingt bestimmte Aufgaben. Wie und wann genau diese erfüllt werden, ist dabei für mich sekundär.

Den zweiten Teil, gelegentliches Homeoffice, regele ich einfach genauso: gelegentlich. Manchmal, weil es sich nach einem Außentermin einfach aufgrund der Fahrerei anbietet, manchmal weil jemand Handwerker zu Hause hat, manchmal weil er einfach mal ein paar Stunden Ruhe für eine spezielle Aufgabe braucht. Homeoffice ist also eine Bedarfsangelegenheit, die jeder so wahrnehmen kann, wie er sie gerade braucht. Grundsätzlich aber arbeiten wir am Standort.

Nicht der Weisheit letzter Schluss.

Bestimmt ist das alles ein wenig idealisiert, vielleicht zu generell und möglicherweise auch nur bei kleineren Einheiten unkompliziert lösbar. Ich glaube aber daran, dass ein gemeinsamer Team-Alltag, und zwar nicht via Internet, einen großen Beitrag zur Motivation und Leistungsbereitschaft leistet. Vorausgesetzt, man hat ein gutes Händchen bei der Wahl der richtigen Leute. Und letztlich ist die Frage auch, ob wir mit Smartphones, Tablets und Laptops nicht eh schon genug Arbeit mit in unser System „Privatleben“ nehmen.

Welche Meinungen gibt es dazu? Ich wäre gespannt!

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