Brose bespendet Politik in Bamberg

Nicht nur im bundesdeutschen Zusammenhang haben Parteispenden von Wirtschaftsunternehmen irgendwie den Stallgeruch offensichtlichen Lobbyings. Auch in der lokalen Öffentlichkeit kommt so etwas nicht gut an.

Es gibt diverse Beispiele dafür, dass sich die Wirtschaft oder die Familien hinter den Wirtschaftsunternehmen mit oftmals saftigen Geldspenden den großen Parteien auf Landes- und Bundesebene zuwenden. Die Kommantare, die man unter den jeweiligen Berichten liest, gehen stets in dieselbe Richtung: Manipulation, Verrat, Lobbyismus. Und ganz ehrlich: Kann man doch auch verstehen, oder?

Brose spendet großzügig in Bamberg

In Bamberg hat jetzt die Firma Brose in die gut gefüllte Schatulle gegriffen, wohl geformte Goldsäckchen in 10.000-Euro-Tranchen heraus gezogen und diese der Kommunalpolitik vor die Nase gehalten. Außer der FDP. Gut, da würde sich der Aufwand am Ende im Zweifel nicht so lohnen.

SPD lehnt ab, GAL und CSU greifen zu

Wie dem auch sei: Die GAL (Grüne Alternative Liste) hat nicht lange gefackelt und zugegriffen und auch die CSU ließ sich nicht lang bitten. Nur die SPD begegnete dem Angebot mit hochgezogener Braue und lehnte ab.

Nun kritisiert der eine oder andere im Radio und auch in der Zeitung, dass die GAL in der Diskussion um die Brose-Ansiedlung in Bamberg sich nicht unbedingt durch frenetische Fan-Gesänge, sondern vielmehr durch wenig differenzierte Buh-Rufe ausgezeichnet hatte. Dagegen halt. Von der CSU weiß man wenigstens, dass sie dem Portemonaie der Wirtschaftsgranden nicht ganz fern ist, der GAL aber hätte ich dann trotzdem etwas mehr Rückrat zugetraut. Zumal es aus GAL-Kreisen ja hieß, man sei auch ohne die Spende sehr gut aufgestellt.

Freilch, nix mit Manipulation

Außerdem sind sich alle freimütig einig: Man lässt sich ja durch so etwas nicht manipulieren. Und die Entscheidung über die Ansiedlung des neuen Brose-Standortes sei ja schon weit vor den Spendenangeboten gefallen.

Da zeigt sich aber aus meiner Sicht: In der Bamberger Kommunalpolitik denkt man nicht immer vorwärts, sondern blickt – vielleicht manchmal etwas wehmütig – gerne auch mal den vergangenen Tagen nach.

Grundsteine für eine glorreiche Zukunft?

Das Brose schon an seinem Firmensitz in Coburg nicht unbedingt nur „politikinteressiert“ unterwegs war, davon können viele Coburger ein gemeinsames Lied singen. Öffentliches Interesse, politische und presserechtliche Unabhängigkeit sind in der Ketschendorfer Straße ja nicht immer gar so beliebte Vokabeln.

Würde man es dem Fahrzeugteilehersteller negativ auslegen wollen, könnte man vermuten, die Spenden an die Bamberger Parteien und das durchaus soziale Engagement am Bamberger Michelsberg und im Bamberger Basketballsport, seien Weichenstellungen für erfolgreiche Jahre nach der Eröffnung am Berliner Ring in Bamberg. Denn auch danach wird es noch viele Dinge geben, die das Unternehmen von der Stadt Bamberg und seinen Einwohnern brauchen wird.

Anlässlich der vielen Diskussionen um Brose in Coburg, aber auch um das Engagement des Vorsitzenden der Gesellschafterversammlung, Michael Stoschek, im Bamberger Basketball, liegt die wenig selbstlose Interpretation solcher Aktivitäten nicht unbedingt meilenweit entfernt.

Nachtigall, ick‘ hör dir trapsen …

Die Firma Brose hat auf derartige Spekulationen natürlich prompt reagiert: Man unterstütze im Umfeld der Standorte regelmäßig die kommunalpolitische Arbeit demokratischer Parteien. Das finde ich dann aber schon irgendwie spannend. In Hallstadt steht seit langer Zeit ein Werk der Firma Brose. Das die Kommunalpolitik dort schon einmal derart unterstützt worden sei, wäre mir jetzt neu. Und in Bamberg, ebenfalls seit langer Zeit, befindet sich der Standort der Brose Trust. Aber die aktuelle Spende an die Bamberger Kommunalpolitik ist wohl ebenfalls ein Novum. Und warum werden denn dann nicht alle Parteien in der Stadt unterstützt? Leisten etwa nur GAL, CSU und SPD kommunalpolitische Arbeit, weil es sich hierbei um die großen Parteien handelt?

Es ist schwer vorstellbar, dass ein Unternehmen selbstlos und ohne konkreten Zweck derart aktiv wird. Das muss nicht immer schlimm sein. Vor allem nicht in Sachen soziales Engagement. Grundsätzlich hat so etwas im Sinne einer CSR-Strategie aber zumeist PR-gerichtete Ziele. Ob es sinnvoll ist, finanzielle Beigaben auf die Politik auszudehnen, wage ich schwer zu bezweifeln. Zu sehr steht hier eine mögliche Vorteilsnahme im Verdacht. Zudem: Wenn Brose doch regelmäßig die kommunalpolistische Arbeit an seinen Standorten unterstützt, hätte das Unternehmen doch eigentlich wissen müssen, dass solche Spenden nicht direkt an die Fraktionen zu richten sind.

Generell muss aber freilich stehen bleiben: Parteispenden aus der Wirtschaft sind nicht ungewöhnlich oder neu. Der große Zusammenhang ist es aber, der daraus am Ende eben doch eine Affäre machen kann.

Bildquelle: La-Liana  / pixelio.de

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